Crime Scene: Serie
Serien – auf beinahe jedem größeren Sender sind sie der Mittelpunkt des Prime-Time-Programms. Sie binden die Zuschauer an den Sender und bieten Werbekunden Berechenbarkeit. Ein Traum für jeden Programmredakteur. Und dennoch: Serien sind teuer: Eine deutsche Serienfolge kostet zwischen 600.000 und 1 Million Euro – natürlich ohne Erfolgsgarantie. So kommt es, dass mittlerweile fast sämtliche Serien aus dem USA kommen. Die Lizenzgebühren sind bedeutend niedriger als die Kosten für eigenen Produktionen und die Erfolgsaussichten größer, da die Serie ja in den USA bereits getestet wurde. RTLs “Alarm für Cobra 11″ war daher bei den Privaten über lange Zeit die einzige deutsche Serie. In letzter Zeit jedoch hat es RTL geschafft, zwei weitere (sehr) ähnliche Serien zu etablieren. “Lasko – Die Faust Gottes” konzentriert sich auf den in Cobra 11-bewährten Action-Anteil während sich Countdown mehr um die Beziehung zwischen den Hauptakteuren kümmert.
Als Seriengenre dominieren ist in Deutschland (und in großen Teilen der Welt) “Crime”. Es gibt keinen Abend, an dem nicht wenigstens ein großer Sender Crime-Serien im Doppel-/ Dreier- oder Viererpack sendet.
Tag | Sender | 20:15 | 21:15 | 22:15 | 23:15
Sa | Kabel Eins Castle | Numb3rs | Dark Blue | 10-8 Officers on Duty
So | Sat.1 Navy CIS | Criminal Minds
Mo | Vox CSI: NY | Criminal Intent | Burn Notice | Boston Legal
Di | RTL CSI: Miami | Dr. House | Monk | Law & Order
Mi | Vox Criminal Intent (2x) | Crossing Jordan (2x)
Do | RTL Cobra 11 | Countdown | Bones
Fr | Kabel Eins Ghost Whisperer | Cold Case (2x) | Medium
. Vox CSI: NY | The Closer | Law & Order: SVU
Besonders interessant: Es gibt so gut wie keine Gegenprogrammierungen: Nur am Freitag treffen kabeleins und Vox aufeinander – und auch hier ist fraglich, ob man Ghost Whisperer und CSI: NY in dasselbe Genre stecken kann. An allen anderen Tagen gehen sich die Sender gegenseitig aus dem Weg.
Das zweiterfolgreichste Seriengenre im deutschen Fernsehen isst SciFi – hier gibt es hauptsächlich Stargete und dessen Spin-offs, sowie Akte X, Lost, Battlestar Galatctica und Primeval. Während dieses Genre in der Filmwelt immer mehr an Bedeutung verliert, ist es im Fernsehen immer noch sehr erfolgreich.
Mi | RTL II Stargate Universe (2x) | Battlestar Galactica
Do | KabelEins Primeval | Lost (2x)
Tele 5 Stargate | Akte X
Der einzige Serienabend, der sich weder “Crime” noch “SciFi” eindeutig zuordnen lässt, ist der Mittwochabend der Pro7, der sich auf die Zielgruppe der 14- 29-jährigen Frauen konzentriert.
Mi | Pro7 Desperate Housewives | Vampire Diaries | Hawthorne
Bei all diesem Überfluss an Serien sollte man sich jedoch ernsthaft fragen: Was kann ich schauen? Vor allem im Bereich Crime unterscheiden sich die meisten Serien inzwischen nur noch durch ein anderes Ermittlerteam und eine leicht geänderte Umgebung – Struktur, Look und Geschichten variieren kaum. Und dennoch gibt es Ausnahmen – sie sind unter dem Berg der anderen Serien nicht immer leicht zu finden, aber es gibt sie, die Juwelen des Fernsehens mit spannenden Geschichten, neuartigem Look, frischen Ideen und hohem Unterhaltungswert. Drei davon möchte ich jetzt vorstellen.
Am Montagabend z. B. strahlt Vox um 22:15 “Burn Notice” des amerikanischen Kabelsenders USA Network aus. Burn Notice handelt von einem Spion, der verraten worden ist, von seinem Arbeitgeber schließlich kaltgestellt wurde und sich jetzt mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, während er nach dem Verräter sucht.
Völlig anders: “In Treatment” des amerikanischen Pay-TV-Networks HBO (Di, 21:00 3sat). Bei “In Treatment” geht es um Psychotherapeut Dr. Paul Weston, der in jeder Folge einen Patienten therapiert. Die vielfach preisgekrönte Serie (u. a. Golden Globe 2009 für Gabrial Byrne als bester Hauptdarsteller) ist ein Spin-off der erfolgreichen israelischen Serie “Betipul” und ist eine von ganz wenigen Serien, bei denen das Wort “Anspruch” wirklich noch passend ist.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf “Lost” eingehen. In den USA ist Lost eine der erfolgreichsten Serien überhaupt (und eine der teuersten), doch in Deutschland tut sie sich schwer. Einige Sender haben es bereits an Lost versucht, aber keiner hat es bisher geschafft, Lost zu einem Quotenhit zu machen. Momentan zeigt KabelEins die 5. Staffel (Do, 21:15) – und diesmal gehen die Werbekunden aus. “Lost” zeigt die Erlebnisse einer Gruppe Menschen rund um eine mysteriöse Insel auf der sie in Staffel 1 gestrandet waren. Zeitsprünge, Fieslinge und ständige Überraschungen machen das Zuschauen sehr unterhaltsam und spannend. Der große Nachteil: Da Lost als Serial konzipiert ist, ist es schwer wieder Anschluss zu finden, sollte man einige Folgen verpasst haben. Und so ist auch eine Erholung der Quoten schwer absehbar.
Also: Deutschlands Serienmarkt ist gekennzeichnet von amerikanischem Einheitsbrei, doch wenn man lange genug wühlt findet man Juwelen wie “Lost”, “Burn Notice” oder “In Treatment”. Die meisten dieser Serien schaffen jedoch aufgrund vermeintlich geringen Zuschauerinteresses gar nicht erst den Sprung nach Deutschland.
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